Eine fette Affäre

Fasnachtsküachle

Süss, knusprig, hauchzart – was wie ein luftig-leichter Flirt daherkommt, hat es in Wahrheit faustdick hinter den (Schmalz-)Ohren: das "Fasnachtsküachle". Die Geschichte einer Verführung ...

Das traditionelle Wintergebäck gehört zu unserer Fasnacht wie der Esel zum Nikolaus und kommt, je nach Region, unter einem anderen Namen auf den Tisch. In der Ostschweiz heisst es "Öhrli", in der Westschweiz "Merveille", in der italienischsprachigen Schweiz "Frittella di Carnevale". Bekannt ist das "Fasnachtsküachle" auch als "Chnöiblätz", weil die Teiglinge früher übers (hoffentlich frisch gewaschene) Knie gelegt und so hauchdünn ausgezogen wurden.

Hauchdünn, ja zerbrechlich, sieht es immer noch aus (das ideale "Küachle" ist 0.5 Millimeter dünn) und hält uns damit alle zum Narren. "Fasnachtsküachle" sind eine gehaltvolle Angelegenheit: Sie bestehen – neben Weissmehl, Eiern, Zucker und Rahm – bis zu einem Drittel aus Fett!

Wer hat's erfunden?

Auch wenn in weiten Teilen Europas den Winter über Schmalzgebäck gegessen wird – wir denken zum Beispiel an "Berliner", "Schenkeli" oder "Mutzen" –, das runde, süsse, zartschmelzende kommt natürlich aus der Schweiz.

Schon im Mittelalter war es Brauch, dass am Donnerstag vor Aschermittwoch zum letzten Mal vor der Fastenzeit geschlachtet wurde – der Schmutzige Donnerstag geht zurück auf das altdeutsche Wort "Schmotz", was so viel wie Fett bedeutet. Damit das dabei gewonnene Fett nicht verdarb, kochte man besonders fettreiche Speisen oder verwendete es für die Zubereitung von Fettgebäck. Auch Eier und Butter waren während der vierzigtägigen Fastenzeit untersagt und mussten deshalb noch vor dem Aschermittwoch aufgebraucht werden. Ausserdem wollte man vor Beginn der Fastenzeit nochmals so richtig schlemmen ...

Freundschaft plus

Pikantes Detail am Rande: 1527 wurden die "Küachle" in gewissen Regionen der Schweiz für einige Zeit von der Obrigkeit wegen Sittenzerfall verboten. Der "Heische"-Brauch, bei dem die Jungs singend von Tür zu Tür zogen, um bei den Mädels "Küachle" und Mehr zu erbitten, gefiel vor allem der Kirche ganz und gar nicht.

Heute dürfen wir das "sündige" Gebäck unbekümmert geniessen. Der Aschermittwoch kommt früh genug, und spätestens dann stellen auch die Grossverteiler ihre Produktion ein.

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